Eucharistie und Ökumene


Ein Versuch der Auseinandersetzung mit einem Phänomen
von Volker Kroll

Dieser Text entstand im Jahr 2003 nach dem ökumenischen Kirchentag in Berlin. Nach dem Tod Johannes Paul II am 02. April 2005 wird er wiederum aktuell, da die Kirche bei der Suche nach einem neuen Papst wieder exakt vor diesen Fragen steht.
Ich habe den Text noch nicht überarbeitet, plane aber in der Zukunft den Text an die letzten Veröffentlichungen des Papstes Johannes Paul II (gerade in Hinsicht auf das Jahr der Eucharistie) anzupassen und ihn entsprechend zu erweitern. (Anmerkung vom 14.04.2005)

Ich habe einige Links zum Thema zusammengestellt. Diese finden sich unter: http://www.allein-zu-haus.de/eucharistie-links.html

Der ökumenische Kirchentag ist vorbei und wenn man die Medienberichterstattung betrachtet, könnte man vermuten, daß die Frage eines gemeinsamen Abendmahles das alles beherrschende Thema der Ökumene sei. Es stellt sich die Frage, ob ein gemeinsames Mahl eine solche Bevorzugung in der Ökumendebatte verdient und ob für den "normalen Christen" diese Frage überhaupt eine Bedeutung hat.

Meines Erachtens stellt sich die Frage, wo Ökumene enden soll und was wir als "moderne Christen" eigentlich wollen.

Standortbestimmung der Ökumene heute

Sicht eines normalen Christen

Als Christ, der sich nicht mit theologischen Spitzfindigkeiten auseinandersetzt ist Ökumene längst erreicht in dem Sinne, daß die Unterschiede zwischen den einzelnen Konfessionen kaum noch eine Rolle spielen. Heutzutage spielt es keine Rolle mehr, ob man katholisch oder evangelisch ist, es spielt eine Rolle, ob man an Gott und Jesus Christus im Sinne der christlichen Kirchen glaubt. Die Unterschiede zwischen den Konfessionen spielen nur noch in ganz spezifischen Situationen eine Rolle. Dies insbesondere bei der Planung eines Sakramentes und hier insbesondere einer konfessionsunterschiedlichen Ehe. Hier ist man auch als normaler Christ mit einem Mal mit den Unterschieden der Konfessionen konfrontiert und den unterschiedlichen Sichten einzelner Sakramente. Im normalen Leben spielen diese Unterschiede jedoch -- meines Erachtens -- keine oder kaum eine Rolle.

Konfessionsverschiedene Ehen sind die herausragende Aufgabe die die Ökumene heute lösen muß und wo die Kirchen heute gefordert sind Lösungen zu suchen. In der konfessionsverschiedenen Ehe stellt sich dann auch wieder die Frage nach der Mahlsgemeinschaft, da ein Ehepaar üblicherweise gemeinsam an den Tisch des Herrn treten möchte ohne daß ein Ehepartner sich eines Vergehens gegen Gesetze seiner Kirche schuldig macht.

Die meisten mir bekannten konfessionsverschiedenen Ehepaare haben hier aber längst eine pragmatische Lösung gefunden, die an der Gesetzgebung ihrer Kirchen vorbeigeht -- konkret nehmen die Ehepartner gemeinsam an dem Abendmahl der Kirche teil deren Gottesdienst sie besuchen. Hier stellt sich die Frage also eigentlich nicht mehr wirklich, es sei denn, der Pfarrer / Priester der Gemeinde verwehrt einem Ehepartner die Teilnahme am Sakrament.

Was hat auf dem ökumenischen Kirchentag stattgefunden

Wenn man die Berichterstattung der Medien während des ökumenischen Kirchentages verfolgt hat, könnte man die Vermutung hegen, daß in der Getsemanekirche in Berlin Prenzlauer Berg revolutionäres stattgefunden habe. Man konnte da von dem "ersten ökumenischen Abendmahl" und ähnlichen lesen.

Was hat in der Getsemanekirche wirklich stattgefunden? Es war ein ökumenischer Gottesdienst in dem Sinne, daß ein katholische Priester und eine evangelische Pfarrerin gemeinsam einen Gottesdienst begonnen und beendet haben. Die Eucharistiefeier aber geschah rein nach römisch katholischen Ritus. Der kath. Priester konnte und wollte hier die evangelische Pfarrerin nicht einbeziehen. Wie es längst in vielen kath. Gemeinden üblich ist, lud der Priester dann alle anwesende an den Tisch des Herrn ein. Was war daran jetzt revolutionär? Das es im Rahmen einer grossen Öffentlichkeit geschah? Das es geschah kurz nachdem Papst Johannes Paul II noch einmal die Sicht der römisch katholischen Kirche zu diesem Thema erläutert hat? Das diese Mahlfeier im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes stattgefunden hat? Meines Erachtens hat das nichts revolutionäres an sich, sondern zeigte nur die gute Tradition vieler Gemeinden. Selbst der Priester, der die Eucharistiefeier leitete konnte hier nichts revolutionäres sehen. Nur die Medien und der Verein der den Gottesdienst organisierte hat hier Revolution gesehen.

Was wäre revolutionär gewesen?

Eine echte Mahlsgemeinschaft im umfassenden Sinn kann es nur geben, wenn auch die "Wandlung" durch Priester / Pastoren unterschiedlicher Konfessionen stattfindet. Davor jedoch sind die Veranstalter -- bewußt -- zurückgeschreckt, da hier wirklich ein Verstoß gegen geltende Gesetzgebung der Kirche verstossen worden wäre. Aber erst in einer neuen Mahlsliturgie -- einer Mahlsliturgie, die wirklich ökumenisch ist -- hätte hier etwas wirklich neues stattgefunden.

Warum kam es nicht zu einer solchen Liturgie. Hier stellt sich die theologische Frage die leider nicht gestellt wurde und weswegen ich die Veranstaltung auch kritisiere. Hier wurde eine Gemeinschaft herbeigeredet, die wir -- leider -- noch nicht haben. Hier stellt sich die theologische Frage, die die Kirchen gemeinsam lösen müssen.

Theologische Fragestellung

Standortbestimmung

Die katholische Kirche sagt, daß die Eucharistie gültig nur von einem Priester gefeiert werden kann, der in der apostolischen Sukkzession steht und der als geweihter Priester hierzu befähigt wurde. Die evangelischen Kirchen stehen nicht in dieser Sukkzession und sind demnach nach katholischer Lehrmeinung nicht in der Lage ein Wandlung nach kath. Kirchenrecht zu vollziehen.

Die kath. Kirche sagt, daß in der Eucharistiefeier aus Brot und Wein wirklich Leib und Blut Jesu Christie entsteht. Diese Sicht teilen die evangelischen Kirchen nicht komplett. Die evangelischen Kirchen gehen davon aus, daß eine Wandlung nur durch die Mahlsgemeinschaft entsteht. Und schon diese Wandlung wird in den unterschiedlichen evangelischen Gemeinschaften unterschiedlich gesehen.

ökumenische Mahlstheologie

Was muß geschehen, um eine Mahlstheologie zwischen evangelischer und katholischer Kirche zu etablieren? Die Probleme der Stellung des Priesters muß gelöst werden. Die Sicht der Eucharistie muß gelöst werden. Ist dies eine denkbare Option? Wollen wir dies überhaupt?

Wie wollen wir denn wirklich Ökumene haben? Ich kenne die Antwort vieler meiner evangelischer Freunde, die im Prinzip davon ausgeht, daß viele theologische Aussagen der katholischen Kirche revidiert werden müssen. Dazu gehören immer das Mahlsverständnis und die Stellung des Priesters. Dies ist aber aus theologischer Sicht nicht möglich, da ein Teil dieser Aussagen dogmatisch fixiert ist und damit für die kath. Theologie nicht revidierbar ist.

Wie wollen wir denn wirklich Ökumene haben? Ich kenne die Antwort vieler meiner katholischen Glaubensbrüder und Schwestern. Die evangelische Kirche müsse wieder geweihte Priester haben, die in der apostolischen Sukkzession stehen und sie müßte sich der Sicht der katholischen Kirche bezüglich des Abendmahlsverständnisses beugen.

Als "andersdenkender" moderner(?) Christ finde ich beide Optionen nicht wünschenswert. Die unterschiedlichen Konfessionen bereichern das Christentum gerade durch seine Vielfalt. Es ist schön zu wissen, daß man in den Gottesdiensten unterschiedlicher Konfessionen unterschiedliche Aspekte des gemeinsamen Glaubens erfahren kann.

Ja, es ist manchmal schade und traurig, daß ich nach geltendem Recht nicht mit einem evangelischen Freund an den Tisch des Herrn treten darf. Hier gilt dann aber wieder der Pragmatismus, der schon oben beschrieben wurde. Auch wenn ich jedes Mal das Makel der Exkommunikation auf mich nehme, nehme ich dieses gern in Kauf, wenn dadurch nicht alles fixiert wird, was evt. in der Fixierung niemand mehr will. Wir vergeben uns viel von der Vielfalt unserer Kirchen, wenn wir fixieren, was nur durch Weglassung von Traditionen fixierbar ist. Ich kann mir keine Kirche vorstellen, die nur einen schlechten Kompromiss als Theologie verkauft. Ich wünsche mir vielmehr eine Kirche, die eine Gemeinschaft lebt, die mit den Unterschieden lebt, die sie hat und die das noch nicht erreichte aushält.

Meines Erachtens sollten wir als katholische und evangelische Christen akzeptieren, daß eine komplette Glaubensgemeinschaft nicht erreichbar ist, ohne wertvolles wegzustreichen.

Volker Kroll © 2003